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Published on July 05, 2017

Wie lebt man mit Typ 1 Diabetes in einem Entwicklungsland?

Das Leben mit Typ 1 Diabetes ist definitiv nicht einfach und aus verschiedenen Perspektiven eine Herausforderung. Dennoch hat man als Mensch mit Diabetes in Mitteleuropa glücklicherweise Zugang zu allen notwendigen Medikamenten und Hilfsmitteln – und dies meist gedeckt durch die Krankenkasse. Man hat also durchaus die Möglichkeit ein (relativ) gutes Leben mit Diabetes zu führen. Oft vergisst man dabei, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist.


Leben mit einer chronischen Erkrankung in Armut
In vielen Teilen der Welt sterben nach wie vor viele Menschen an den Folgen von Typ 1 Diabetes, vor allem Kinder. Auch in Indien ist das häufig der Fall. Eine durchschnittliche Familie verfügt über ein Monatseinkommen von rund 50 €, die Kosten für das lebensnotwendige Insulin belaufen sich jedoch bei min. 25 €/Monat und dabei sind noch keine Messstreifen und sonstige Materialien eingerechnet.
Also wie (über)leben Menschen mit Typ 1 Diabetes in Indien? Das Hauptproblem ist, dass viele Menschen nicht einmal diagnostiziert werden, weil die medizinische Grundversorgung schlichtweg nicht vorhanden ist.

Vom medizinischen Hilfsprojekt zum Rund-Um-Projekt
Vor 25 Jahren hat einer der wichtigsten indischen Diabetologen Dr. Sharad Pendsey in Zentralindien ein Hilfsprojekt in seiner Diabetesklinikgestartet. Das Projekt unterstützt mittellose indische Kinder, Jugendliche und andere Bedürftige mit kostenlosem Insulin und Blutzuckermessstreifen, die meist über Patenschaften finanziert werden. Die Patienten erhalten dazu medizinische Betreuung in der Diabetesklinik in Nagpur. Das bemerkenswerte dabei ist, dass sich das Projekt in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat. Das vorerst rein medizinische Programm ist zu einem „Rund-um-Projekt“ inklusive Bildungsfokus sowie psychischer und sozialer Hilfe geworden. Es ist fantastisch, wie solche Initiativen dabei helfen das Leben von Menschen mit Typ 1 Diabetes weltweit zu retten und zu verbessern.


Erfahrungen vor Ort sind dann doch immer anders
Seit ich im Mai 2016 für den Verein DREAM Trust tätig bin, beschäftige ich mich regelmäßig mit den Lebensgeschichten und Gesundheitszuständen der PatientInnen, dies jedoch natürlich bis dato immer nur basierend auf den Informationen der DREAM Trust Datenbank. Welches Ausmaß diese Geschichten jedoch annehmen merkte ich erst als ich die Patientengeschichten während eines Besuchs im Februar 2017 hautnah erlebte. Vor Ort realisierte ich wie unheimlich wichtig die Unterstützung von DREAM Trust für die PatientInnen wirklich ist. Ich selbst lebe seit knapp 12 Jahren ein (bis jetzt) sehr gutes Leben mit Diabetes und daher ist es für mich umso schwerer vorstellbar, dass Menschen an der genau selben Stoffwechselstörung nach wie vor sterben, und gar nicht bis sehr schwer die Möglichkeit haben an das lebensnotwendige Insulin zu kommen. Der Aufenthalt in Nagpur hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet.


Indien ist anders – das wusste ich natürlich, jedoch richtig spüren kann man das erst, wenn dies mit allen Sinnesorgane erlebt. Das Straßenbild unterscheidet sich sehr stark von den gewohnten mitteleuropäischen Verhältnissen. Es spielen sich so viele Dinge gleichzeitig am Straßenrand und mitten im Stauverkehr ab. Von kleinen Unternehmern, die gerade Autoreifen reparieren, bis hin zu Obst-und Gemüseverkäufern, zahllosen Kühen und schließlich leider auch vielen obdachlosen Menschen findet man sehr viel auf den Straßen vor. Aus dem Autofenster starrend sauge ich alle diese Eindrücke binnen kurzer Zeit auf und frage mich, wie man denn hier neben all dem Lärm, den Farben und den Gerüchen zur Ruhe kommen kann. Ein wenig Ruhe kehrt erst ein, als wir am zweiten Tag zum ersten Mal die Stadt verlassen. Dort finde ich jedoch wieder ganz andere Bilder vor. Schnell merke ich, dass diese vermeintliche Ruhe auch andere Seiten zum Vorschein bringt – die meisten Menschen am Land leben in weitaus primitiveren Verhältnissen und so gestaltet sich der Alltag in den Gebieten außerhalb der Stadt deutlich anders. Besonders berührt haben mich die Hausbesuche bei den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die vom Team vor Ort betreut werden– die Armut spürte ich vor allem als ich in der unmittelbaren Wohnumgebung der PatientInnen stand. Einige der besuchten Behausungen hatten nicht einmal befestigte Wände, geschweige denn ein dichtes Dach. Meistens wurde ein Schlafraum von der gesamten Familie gemeinsam genutzt.


Die Unterstützung von DREAM Trust
Es ist wirklich beeindruckend, was das DREAM Trust Team vor Ort auf die Beine stellt – und vor allem mit welcher Hingabe. Besonders stolz konnte ich sehen, dass sich das anfangs rein medizinische Projekt nun wirklich zu einem umfassenden Projekt entwickelt hat – das Rehabilitationsprogramm beeindruckt mich besonders. Bei einem der Hausbesuche trafen wir einen jungen Mann, der seit mehreren Jahren von DREAM Trust unterstützt wird. Der junge Patient leidet an einer Wachstumsstörung und ist daher für sein Alter (22 Jahre) äußerst klein gewachsen. Meine Kollegin erzählte mir bei der Autofahrt dorthin von ihrem letzten Besuch vor 3 Jahren und den traurigen und deprimierenden Eindrücken. Als wir schließlich bei unserem Patienten ankamen, stellte ich mich auf ein eher ernstes Zusammentreffen ein. Jedoch wurde ich eines besseren belehrt – der junge Mann war sehr aufgeweckt und freute sich über unserem Besuch. Mit Stolz erzählte er uns von seiner neuen Tätigkeit – er hat vor seinem Haus einen kleinen Stand aufgebaut an dem er Essen verkauft. Man konnte in seinen funkelnden Augen und seinem breiten Lächeln förmlich erkennen mit welcher Freude ihn die selbstständige Tätigkeit erfüllt. Solche Momente motivieren mich dazu noch stärker für DREAM Trust in Aktion zu treten.


Lebensnotwendige Unterstützung durch Patenschaften
Eine Patenschaft sichert dem/der unterstützen PatientIn den lebensnotwendigen monatlich benötigten Insulinbedarf, sowie Spritzen oder Pens/Nadeln. Ohne der Unterstützung von DREAM Trust hätten die PatientInnen keine Chance zu überleben. PatInnen bekommen nach Eintreffen des ersten Patenschaftsbeitrags eine Nachricht mit Fotos und Informationen über ihr Patenkind zugeschickt. Ca. 2 - 3 Mal pro Jahr gibt es einen deutschsprachigen Newsletter, der auch auf der DREAM India/ DREAM Trust Webseite nachgelesen werden kann.


Wollen auch Sie DREAM Trust dabei unterstützen mittellosen Menschen mit Typ 1 Diabetes zu helfen? Alle Infos zu Patenschaften und Einmalspenden finden Sie auf www.dreamtrust.at.

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