FIB-4: Fibrose sicher erkennen oder ausschließen

Das Management von MASLD erfordert heute einen proaktiven, evidenzbasierten Ansatz, der durch aktuelle Leitlinien unterstützt wird. Angesichts des signifikant erhöhten MASLD-Risikos bei Menschen mit Typ-2-Diabetes empfehlen Fachgesellschaften wie die EASL, ÖDG und ÖGGH eine engmaschige Überwachung dieser Patient:innen. Dies beinhaltet die routinemäßige Ermittlung des FIB-4-Scores alle 1 bis 2 Jahre.

Menschliches Körper mit Leberabbildung

MASLD: Das vergessene Organ im Fokus der Stoffwechselmedizin

Mit steigenden Raten für Adipositas und Diabetes hat sich MASLD (Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung - formals NAFLD: nicht-alkoholische Fettlebererkrankung) zur weltweit häufigsten Erkrankung entwickelt – in Österreich ist etwa jede vierte Erwachsene betroffen. MASLD sollte nicht als isolierte Lebererkrankung, sondern als Manifestation einer systemischen Stoffwechselstörung begriffen werden, die untrennbar mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Risiken verknüpft ist. Dabei ist nicht der Fettgehalt der Leber entscheidend für die Prognose, sondern das Fortschreiten der Fibrose.

Die Leber darf daher bei Stoffwechselerkrankungen nicht länger das „vergessene Organ“ sein. Leitlinien empfehlen bei Patient:innen mit metabolischen Risikofaktoren ein Screening mittels FIB-4, um das Fibrosestadium zu bestimmen – auch weil MASLD das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs unabhängig erhöht. Die Gruppe mit dem höchsten Risiko sind Patient:innen mit Typ-2-Diabetes (etwa 70 % sind von MASLD betroffen, 36 % von einer signifikante Fibrose (≥ F2) und 16 % von einer fortgeschrittene Fibrose (≥F3)) und Menschen mit Übergewicht.

Aufgrund dieses deutlich erhöhten Risikos empfehlen Fachgesellschaften wie die EASL, die ÖDG und die ÖGGH speziell bei Patient:innen mit Diabetes eine engmaschigere Kontrolle: Hier sollte der FIB-4-Score routinemäßig alle 1 bis 2 Jahre erhoben werden.

Früherkennung verändert die Prognose

Heutzutage existieren Behandlungsoptionen, und eine frühzeitige Diagnose verbessert die klinischen Ergebnisse entscheidend. Obwohl bildgebende Verfahren für manche Patient:innen schlussendlich unverzichtbar sind, ermöglicht ein gestufter Ansatz mittels einfacher blutbasierter Scores wie dem FIB-4 bereits eine rasche Risikoeinschätzung (Triage). Die Akzeptanz in der Praxis scheitert oft dann, wenn Ärztinnen und Ärzte FIB-4 außerhalb ihrer Praxissoftware berechnen oder komplexe Leitlinien während kurzer Patiententermine interpretieren müssen.

Beim FIB-4 entfällt dieser Aufwand jedoch komplett: 
Die meisten Privatlabors in Österreich berechnen den Score auf Anforderung bereits automatisiert und liefern eine Interpretationshilfe direkt mit.

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FIB-4: Fibrose sicher erkennen oder ausschließen

Abbildung: Berechnung und Interpretation des FIB-4-Scores. Die Einteilung erfolgt anhand zweier Cut-off-Werte, um die Triage effizient zu gestalten. Als eigenständiger kardiometabolischer Risikofaktor (CMRF) gilt dabei jedes der folgenden Kriterien: Übergewicht oder Adipositas (BMI ≥ 25 kg/m², bei asiatischer Abstammung ≥ 23 kg/m²; und/oder Bauchumfang ≥ 80/94 cm für Frauen/Männer; und/oder andere Parameter wie Waist-to-Hip-Ratio, Waist-to-Height-Ratio, etc.), Dysglykämie oder Typ-2-Diabetes (Nüchternblutzucker ≥ 100 mg/dL bzw. ≥ 5,6 mmol/L; und/oder Oraler Glucose-Toleranz-Test 2h ≥ 140 mg/dL bzw. ≥ 7,8 mmol/L; und/oder HbA1c ≥ 5,7 % bzw. ≥ 39 mmol/mol; und/oder bestehender Typ-2-Diabetes), arterielle Hypertonie (Blutdruck ≥ 130/85 mmHg und/oder spezifische antihypertensive Therapie), Hypertriglyceridämie (Plasma-Triglyceride ≥ 150 mg/dL bzw. ≥ 1,7 mmol/L und/oder lipidsenkende Therapie) oder niedriges HDL-Cholesterin (Plasma-HDL ≤ 40 mg/dL bzw. ≤ 1,0 mmol/L bei Männern und ≤ 50 mg/dL bzw. ≤ 1,3 mmol/L bei Frauen und/oder lipidsenkende Therapie).

67 % der Allgemeinmediziner:innen messen bereits regelmäßig Leberparameter bei ihren Diabetes-Patient:innen. Der FIB-4 nutzt genau diese Routinewerte (Alter, AST, ALT und Thrombozyten), um eine fortgeschrittene Fibrose zuverlässig auszuschließen oder Patient:innen für eine engmaschige Überwachung zu identifizieren. 

Das klinische Urteilsvermögen wird dadurch nicht ersetzt, sondern fundierter unterstützt.

Patient:innensteuerung

Um die Kapazitäten in den Fachambulanzen zu schonen, sollte auf einen auffälligen FIB-4 ein gezielter nicht-invasiver Zweitlinien-Test folgen – entweder eine Lebersteifigkeitsmessung (LSM) oder spezialisierte blut-basierte Biomarker wie ELF oder ADAPT.

Das Ziel dieser Zweitlinien-Tests ist nicht ein perfektes Staging, sondern eine klare klinische Entscheidungsgrundlage: der Ausschluss fortgeschrittener Erkrankungen, die Identifikation von Risikopatient:innen und die Ausrichtung der Versorgungspfade an leitliniengerechten Risikoprofilen.

Fazit

FIB-4 ist ein einfacher, kostengünstiger und effektiver Score, der bereits in fast allen privaten Laboren standardmäßig angeboten wird. Er hilft Ihnen, eine Fibrose zuverlässig auszuschließen und unterstützt dabei, dass die Bewertung von MASLD und MASH in der primärärztlichen Versorgung beginnt, da dort die Patient:innen mit metabolischen Risikofaktoren früh herausgefiltert werden können.

 

Kurzfassung

MASLD (Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung), früher als NAFLD bekannt, ist eine systemische Stoffwechselstörung. Das Management von MASLD erfordert heute einen proaktiven, evidenzbasierten Ansatz, der durch aktuelle Leitlinien unterstützt wird.

Angesichts des signifikant erhöhten MASLD-Risikos bei Menschen mit Typ-2-Diabetes empfehlen Fachgesellschaften wie die EASL, ÖDG und ÖGGH eine engmaschige Überwachung dieser Patient:innen. Dies beinhaltet die routinemäßige Ermittlung des FIB-4-Scores alle 1 bis 2 Jahre.

Der Einsatz des FIB-4 Score ermöglicht Ihnen:

  • bei vielen Patient:innen eine fortgeschrittene Leberfibrose sicher auszuschließen;
  • diejenigen zu identifizieren, die eine Überweisung oder ein intensiviertes Management benötigen;
  • das Fibroserisiko ohne Mehraufwand in die kardiometabolische Versorgung zu integrieren – dank automatischer Berechnung durch ihr Privatlabor.

Was das für die Patient:innen bedeutet:

Eine frühzeitige Identifizierung…

  • führt zu einer Senkung des kardiovaskulären Risikos;
  • führt zu einem geringeren Risiko für Zirrhose und Leberkrebs;
  • unterstützt bei der Lebensstiländerung, nicht-invasivem Monitoring und neuen Therapiemöglichkeiten.

     

 

Quellen

European Association for the Study of the Liver (EASL). Electronic address: [email protected] et al. “EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD).” Journal of hepatology vol. 81,3 (2024): 492-542. doi:10.1016/j.jhep.2024.04.03

Mandorfer et al. “Austrian multisociety consensus on metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease : Austrian Society of Gastroenterology and Hepatology (ÖGGH), Austrian Society of Diabetology (ÖDG), Austrian Society of Obesity (ÖAG).” Wiener klinische Wochenschrift vol. 137,Suppl 10 (2025): 307-319. doi:10.1007/s00508-025-02617-4

Brouwer et al. “Steatotic liver disease trajectory: A holistic EASL guidance on the multidisciplinary approach to screening and patient management”, JHEP Reports, Volume 0, Issue 0, 101798 (2026)

Sterling et al. Development of a simple noninvasive index to predict significant fibrosis in patients with HIV/HCV coinfection. Hepatology. 2006;43(6):1317-1325. doi:10.1002/hep.21178

Rinella et al. “From NAFLD to MASLD: updated naming and diagnosis criteria for fatty liver disease.” Journal of lipid research vol. 65,1 (2024): 100485. doi:10.1016/j.jlr.2023.100485

Targher et al. “Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease.” The New England journal of medicine vol. 393,7 (2025): 683-698. doi:10.1056/NEJMra2412865

Younossi et al. “The global epidemiology of NAFLD and NASH in patients with type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis.” Journal of hepatology vol. 71,4 (2019): 793-801. doi:10.1016/j.jhep.2019.06.021

SPECTRA Marktforschungsinstitut. „Umfrage zur Leberdiagnostik in der Praxis“ Durchgeführt im Auftrag der Roche Diagnostics GmbH (2025). Abrufbar unter: [Hier Ihren Link einfügen]