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Dickmacher Fett – was ist wirklich dran?

 

„Fett macht fett“
Fett galt lange Zeit als Übeltäter hinsichtlich unliebsamer Extrapfunde. Wer also abnehmen wollte, verzichtete auf Frittiertes und generell auf Lebensmittel mit hohem Fettgehalt. Das passte auch zu den Empfehlungen wissenschaftlicher Fachgesellschaften: Demzufolge sollen bei der Ernährung maximal 35 Prozent der Kalorienzufuhr aus Fett stammen, bei Übergewicht sogar nur maximal 30 Prozent.1 Dieser Richtwert galt lange auch für Menschen mit Diabetes – so sollte das Gewicht leichter kontrolliert werden können und das Risiko für Folgeerkrankungen gesenkt werden.
 
Fett schneidet besser ab, als lange angenommen
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind heute weiter vorangeschritten und so sind sich viele Experten einig: Es ist nicht so sehr das Nahrungsfett, sondern vor allem zu viele Kohlenhydrate, die für ungesunde Extrakilos sorgen. Das bestätigten diverse Studien, unter anderem die PURE-Studie aus dem Jahr 2017². Darin wurde festgestellt:
 
  • Menschen, die besonders viele Kohlenhydrate zu sich nahmen, hatten ein höheres Sterberisiko. Wer sich eher fettreich ernährte, hatte hingegen ein geringeres Sterberisiko.
  • Die Fettzufuhr steht nicht in Verbindung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Herzinfarkt – solange die Fette in einem gesunden Maß verzehrt werden.
Fett ist also nicht der Übeltäter, für den man es lange gehalten hat. Im Gegenteil: Es ist ein wichtiger Baustein einer gesunden Ernährung. Einstige Ernährungsempfehlungen müssen daher neu bewertet werden.
 
Unterschätzte Kohlenhydrate?
Statt auf eine fettarme Ernährung zu setzen, empfehlen immer mehr Ärzte und Diabetologen ihren Patienten eine kohlenhydratreduzierte Kost:3
 
  • Menschen, die sich fettreduziert ernährten, waren – anders als erwartet – nicht schlanker und gesünder, sondern körperlich und gesundheitlich tendenziell weniger gut aufgestellt.
  • Stattdessen verbesserten sich bei Menschen, die großzügiger mit Fetten umgingen, eher die Langzeitblutzuckerwerte (HbA1c), als bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die Kohlenhydrate mieden.
  • Gesättigte Fettsäuren, die etwa in rotem Fleisch, Butter, Käse und anderen fetten Milchprodukten vorkommen, schneiden besser ab als gemeinhin angenommen.4 So können bei Personen, die weniger Kalorien aus Kohlenhydraten und dafür mehr aus Fetten zu sich nehmen, sogar die Pfunde purzeln. 
 
Nicht zu viel des Guten
Auch wenn Fett seinen Ruf mittlerweile deutlich verbessern konnte, gilt: Auf das richtige Maß und die richtigen Fette kommt es an. Einen guten Richtwert für Nahrungsmittel, die fast nur aus Fett und Eiweiß bestehen, können die sogenannten Fett-Protein-Einheiten (FPE) geben:
 
  • FPE beschreiben den Anteil der Kalorien aus Fetten und Eiweiß in einer Mahlzeit. 
  • Genau wie für KE's (Kohlenhydrat-Einheiten) oder BE's (Broteinheiten) lässt sich auch für FPE eine Insulindosis berechnen – denn mit etwas Verzögerung werden sowohl Fett als auch Eiweiß vom Körper teilweise in Zucker umgewandelt.
  • Das Berechnen der FPE macht vor allem dann Sinn, wenn eine Mahlzeit fast ausschließlich aus Fett und Eiweiß besteht. Bei Mahlzeiten mit einer ausgeglichenen Mischung von Nährstoffen kommt man im Grunde ohne eine zusätzliche Insulingabe für FPE zurecht. 
  • FPE-Berechnungen sind eher für „Fortgeschrittene“. Denn: Nicht für alle Menschen mit Diabetes spielt diese zusätzliche Berechnung eine Rolle – und ist für diejenigen, die sich frisch nach der Diagnose gerade erst mit der BE-Berechnung vertraut gemacht haben, nicht unbedingt hilfreich. Wer aber schon länger mit Diabetes lebt und die FPE berechnen möchte, erfährt hier wie’s geht. 
Wer nun mit dem Gedanken einer Ernährungsumstellung spielt, sollte ein genaues Auge auf die regelmäßige Insulingabe legen. Denn: Die meisten insulinpflichtigen Menschen mit Diabetes benötigen bei dieser Ernährungsform deutlich weniger Insulin als zuvor, weil ihre Körperzellen nun empfindlicher auf Insulin reagieren.5 Um eine Hypoglykämie zu vermeiden, sollten daher regelmäßig die Zuckerwerte kontrolliert werden und die Insulindosis ggf. angepasst werden.
 
 
Quellen
1 Toller et al.: Evidenz-basierte Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus, 2005, siehe: https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/EBL-Ernaehrung.pdf  [Zuletzt abgerufen am 27.01.2022].
2 Dehghan, M. et al.: Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a retrospective cohort study., lancet 2017; 390: 2050–2062, siehe: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(17)32252-3 [Zuletzt abgerufen am 27.01.2022].
3 Lenzen-Schulte, M.: Gegen Diabetes und Adipositas: Dein Freund, der Ketonkörper, Deutsches Ärzteblatt 2018; 115 (41): 1810–1815, siehe: https://www.aerzteblatt.de/archiv/201673/Gegen-Diabetes-und-Adipositas-D... [Zuletzt abgerufen am 27.01.2022].
4 Holstein, T.: Ernährung: Gesättigte Fette nicht verteufeln, Deutsches Ärzteblatt 2021; 118 (7): 359–361, siehe: https://www.aerzteblatt.de/archiv/217927/Ernaehrung-Gesaettigte-Fette-ni... [Zuletzt abgerufen am 27.01.2022].
5 Hallberg, S. et al.: Effectiveness and Safety of a Novel Care Model for the Management of Type 2 Diabetes at 1 Year: An Open-Label, Non-Randomized, Controlled Study. Diabetes Ther 2018; 9 (2): 583–612, siehe: www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6104272/pdf/13300_2018_Article_373.... [Zuletzt abgerufen am 27.01.2022].

 

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