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Published on May 03, 2019

Aus der Sicht einer Diabetesberaterin

 

Am Sonntag,12.5., ist auch der internationale Tag der Pflege! Jeden Tag geben sie ihr Bestes, um kranke und gebrechliche Menschen zu unterstützen! Von unserer Seite ein großes Dankeschön an alle! Sonja erzählt über ihre persönlichen Erfahrungen. 

Der Arbeitsalltag in der Diabetesambulanz variiert sehr. Die täglichen Anforderungen und Begegnungen mit den Menschen sind sehr unterschiedlich und fassettenreich, aber genau dies macht das Berufsbild des Gesundheits- und Krankenpflegers/-pflegerin so interessant. An einem klassischen Arbeitstag werden etwa 10 bis 20 Patienten betreut. Während am Vormittag die PatientInnen mit vereinbarten Terminen umsorgt werden, begleiten und schulen wir nachmittags die PatientInnen mit stationärem Aufenthalt. Diese Zweiteilung der Ambulanztage gehört neben dem täglichen Austausch mit KollegInnen zu den Kernelementen dieses Berufs.

Ebenso wie der Arbeitstag variiert auch die Vorbereitung dafür sehr. Stehen spezielle und komplexere Punkte an, wie z.B. Insulinpumpenschulung oder das Setzen eines Glukose-Sensors, dann bedarf es schon vorab einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Produkt. Technik, Handling, Funktion usw. sind Bereiche, in denen wir uns bewegen.

Zum Aufgabenbereich in der Krankenpflege in der Diabetesambulanz gehört es, die vom Patienten erworbenen Blutzuckermessdaten auszulesen und zu interpretieren, sei es via Smartphone, Messgerät oder Tagebuch. Dies soll vor dem Arztkontakt schon vorbereitet sein, um einen reibungslosen Ambulanzbetrieb zu gewährleisten. Die berufsübergreifende Zusammenarbeit zwischen Pflege und Arzt funktioniert sehr gut, nur so ist es möglich, dass für den Patienten die bestmögliche Betreuung gewährleistet ist.

Genau dies macht den Arbeitsalltag in der Diabetes Ambulanz auch sehr spannend. Auch ältere Patienten sind sehr aufgeschlossen, z.B. schon mit Glukose-Sensoren zu arbeiten, teilweise mit Übertragung auf Smartphones und wissen die Digitalisierung sehr zu schätzen. Die Digitalisierung hat auch im Bereich Diabetes in den letzten Jahren rapide zugenommen, da diese Technologie auch vieles vereinfacht. Dem gegenüber stehen aber auch Patienten, die Gewohntes nicht aufgeben möchten, die Blutzuckerwerte ganz klassisch in Tagebücher eintragen und nicht digital vernetzt sein wollen. Beide Varianten sind zu akzeptieren.

Um den Alltag besser bewältigen zu können, liegt die Umsetzung, meiner Meinung nach, in kleinen erreichbaren Schritten. Es macht keinen Sinn, einem Patienten, der bis jetzt einen sehr trägen und passiven Lebensalltag hatte, eine Empfehlung zu sportlichen Höchstleistungen zu geben. Das wird dieser schwer erreichen. Jedoch z.B. täglich die Treppe in den 3. Stock, wo sich die Wohnung befindet, zu gehen, anstatt den Lift zu benützen oder eine Bushaltestelle vor dem Ziel auszusteigen. Das ist vorerst ein kleiner Schritt, alles Weitere ist dann eine großartige Leistung und weitere Motivation kommt dann oft von selbst, sobald man bemerkt, dass schon solch minimale Lebensstilumstellungen eine leichte Gewichtsreduktion verursachen können.

Die größte Herausforderung ist es, wenn man trotz aller Bemühungen auch akzeptieren muss, wenn der Patient zu keiner Lebensumstellung bereit ist. Eine Patientin, 40 Jahre betritt mit Rollator, mobil sehr eingeschränkt auf Grund schwerer Adipositas, BMI bei 43, die Ambulanz. Die Verkleinerung des Magens, um Gewicht zu reduzieren, wird von der Patientin stark abgelehnt. Seit Jahren werden von der Patientin auch keine Ernährungsempfehlungen umgesetzt. Dies muss man, oft schweren Herzens, akzeptieren.

Für mich persönlich ist es nicht immer leicht, „Privates“ von „Beruflichem“ zu trennen, aber es gelingt mit zunehmender Berufserfahrung immer besser. Den Ausgleich im Privaten zu meiner Arbeit finde ich in der Natur, bei Familie und Freundeskreis. Da mir als Gesundheits- und Krankenpflegerin die Notwendigkeit von Bewegung und Sport bewusst ist, versuche ich, Ausgleich im Wandern, Bergskilaufen und Joggen zu finden. Während der Arbeit nütze ich die Pausen als fixen Bestandteil des Arbeitstages, um wieder mit neuen Energien den Arbeitstag fortsetzen zu können.

Den Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin würde ich jeder Zeit wiederergreifen, da in den letzten 16 Jahren meiner Berufsausübung das Positive überwiegt. Nachhaltige, Kontakte mit Patienten, die mich im Inneren berührt haben, hin und wieder auch zu Tränen gerührt, sind wertvoll. Die intensive Zusammenarbeit und der Austausch, beispielsweise während der Mahlzeiten in der Mittagspause in der lichtdurchfluteten Mensa, über Freude und Leid mit Arbeitskollegen, schätze ich sehr.

All das ist die gelebte Supervision, um weiterhin mit Freude im Beruf zu sein.

 

 

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